Ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt und das mich auch schon immer interessierte, ist der Gedanke, wie wir funktionieren. Ich meine damit nicht eine mechanisch biologische Ebene, die auf die rudimentärsten lebenserhaltenden Maßnahmen zurückgreift, sondern eher die Frage nach neurowissenschaftlichen Funktionsweisen: Wie wir denken, was uns ausmacht und wer wir sind.

Auf einer existenziellen Suche nach dem Sinn des Lebens oder zumindest ansatzweise nach dem Verständnis der Dinge sind wir Menschen im Laufe der Zeit über verschiedene Methoden gestolpert: Religion, Philosophie oder die Wissenschaft. Alle Bereiche versuchen zu erklären und zu verstehen, werfen meistens Fragen auf oder argumentieren in einem Spektrum, rangierend von höchst emotional zu kühl rational.

Doch wie sehen wir uns selbst, wie empfinden uns andere Menschen und ist das vielleicht auch eine Möglichkeit, sich selbst von den alltäglichen Konzepten und Weltvorstellungen zu lösen? Konkret gesagt hat mir dieser Ansatz geholfen, viele Dinge so zu sehen wie sie sind, abstrahiert von Emotionen, persönliche Prägung etc.

Um sich darauf einzulassen, sollte man erstmal verstehen, warum wir sind, wie wir sind. Viele Handlungsweisen, Charaktereigenschaften lassen sich von den kulturellen Hintergründen und Biographien ableiten, eine bestimmte Bevölkerungsgruppe vertritt bestimmte Ansichten, Moralvorstellungen, Erziehungsmethoden, Werte usw. Mit diesen Vorstellungen und Ausrichtungen wachsen wir auf und richten teilweise unser Leben und unsere Lebensvorstellungen danach aus. Doch definieren diese Umstände wirklich unsere Persönlichkeit oder bieten sie uns nur den nötigen Platz und Freiheit, zu erkennen, wer wir im Inneren sind?

Mich hat persönlich immer die Frage interessiert, inwiefern wir uns davon beeinflussen lassen und sich unsere „eigentliche“ Persönlichkeit entwickelt hätte, würden wir nicht auf bestimmte Parameter so sehr fixiert sein. Im Umkehrschluss gilt hier auch die Frage: Lassen wir uns zu sehr von Emotionen und instinktiven Gefühlen leiten und/oder gibt es eine Möglichkeit, die Dinge so zu sehen, wie sie sind? Natürlich kann das hier nur ein Gedankenexperiment sein, aufgrund der Komplexität der Fragestellung lässt sich nicht eine allgemeine Formel ableiten, aber trotzdem habe ich persönlich dadurch eine Menge lernen und auch erfahren können – vielleicht habt ihr ja ähnliche Erlebnisse.

Um noch konkreter zu werden: Gibt es eine Möglichkeit, wie wir im Alltag entspannter durch das Leben gehen können, unabhängig von Eindrücken, Emotionen und persönlichen Erlebnissen? Für mich ganz eindeutig ja, es ist möglich! Wenn wir uns anschauen, wie wir denken (und hier wird es ganz schön kniffelig), sind Emotionen grundlegend vor allem anderen. Egal ob wir darüber nachdenken, ob wir durstig sind oder nicht (ich bleibe in der Analogie der genannten Quelle), die dazu grundlegende Emotion ist der Durst an sich. In der Reihenfolge und Hierarchie bestimmt immer eine gewisse Emotion die tatsächliche Situation im Alltag. Darüber gibt es massenweise Abhandlungen und Definitionen, tatsächlich sind wir im Inneren noch immer auf einem „primitiven“ Stand der Entwicklung. Unser Hirn wurde im Laufe der Zeit größer und konnten somit einige Areale aktivieren, die für ein abstraktes Denken notwendig sind.

Aufpassen, jetzt wird es interessant: Wenn wir dazu in der Lage sind, die Reihenfolge zu erkennen und auch die Gründe verstehen, warum wir so reagieren, wie wir fühlen, können wir so viel entspannter, glücklicher, ausgeglichener und auch wacher durchs Leben gehen. Wir wären hier in einer vielmehr natürlicheren Situation, als die von uns eigens kreierte Realität, die auf Emotionen basiert. Damit möchte ich nicht postulieren, dass Emotionen schlecht wären, ganz im Gegenteil – man sollte sich nur auf die relevanten und auch „echten“ Gefühle verlassen.

Um auch mal den Bogen zu schlagen, warum ich auf dieses Thema gekommen bin und es auch auf getHyped.de passt – unser Hirn benötigt Energie, um zu arbeiten. Mit einer ausgewogenen und gesunden Ernährung, sportlicher Aktivität u.v.m. können wir auf einer ganz einfachen Ebene dazu beitragen, dass unser Gehirn mehr leisten kann. Darüber hinaus können viel leichter denken, was uns auch der Transfer auf die Metaebene ermöglicht, sein eigenes Ich aus einer Art Dritt-Perspektive zu sehen. Wenn wir uns für einen Moment von der Ich-Perspektive lösen und abstrakter denken, erkennen wir viel leichter die Zusammenhänge. Wie oben schon angesprochen fällt es so viel leichter, die Situation wahrzunehmen, wie sie wirklich ist. Die Kommunikation zwischen Emotion und rationalem Denken führt auf diesem Wege zu einer Art Einklang.

Eine Möglichkeit dies zu erreichen ist die Trennung von Emotionen zu generellen Gedankenkonstrukten. Ein einfaches Beispiel aus dem Alltag vereinfacht es: Wir verbinden oftmals Situationen mit Emotionen, ein Besuch im Lieblings-Restaurant, das Feierabend-Bier, die Entspannungs-Zigarette, die Süßigkeiten in Stresssituationen usw. All diese alltäglichen Situationen sind mit Emotionen gekoppelt, was auch viel mit dem Belohnungssystem zu tun hat. Ich versuche, nicht all zu tief in die Materie einzutauchen, aber ich denke, ihr wisst, worauf ich hinaus möchte. Es ist nicht die Situation, die positiv ist, sondern das Gefühl steht an erster Stelle, danach kommt die tatsächliche Realität. Verknüpft man also diese Situation mit einer anderen Emotion oder Handlung und speichert diese sozusagen wiederum „neu ab“, kann man gänzlich neue Muster erschaffen. Nach Feierabend könnte man, anstelle ein Bier zu trinken, Sport machen oder kochen. Die Emotion soll von der eigentlichen Situation losgelöst sein, erst dann erkennt man vieles ohne den persönlichen „Filter“. Das ist übrigens in der Psychologie ein beliebter Trick, um z.B. auch Rauchern das Aufhören zu ermöglichen.

Wenn man sich das vor Augen hält und es einfach mal testet, wird man sehen, dass es funktionieren kann. Nicht nur der Schritt zu mehr Eigenverantwortlichkeit, sondern auch wie wir Dinge sehen, wie wir auf unsere Emotionen reagieren und warum überhaupt diese Emotionen da sind, vereinfacht so vieles. Es gibt immer eine Lösung, man muss nur verstehen, warum die Dinge sind wie sie sind. Und darin besteht auch der Gedanke, der euer Leben verändern könnte – sucht die Lösung und den Sinn hinter den Dingen. Ihr schaltet automatisch von einer emotionale auf eine neutrale Sichtweise, die euch viel vereinfachen und erleichtern wird.

Auch für mich hat einen bemerkenswerten Effekt gehabt, beispielsweise Softdrinks oder Süßigkeiten. Wenn ich darüber nachdenke, ob es Sinn macht, Gummibärchen zu essen, wenn ich die Energie nicht brauche, komme ich schnell zu dem Ergebnis, dass es keinen Sinn macht. Also lasse ich es … Der Effekt kommt vielleicht erst hinterher in der Summe der Ereignisse am Ende der Woche wenn ich mich wiege und feststelle, dass ich mir die Kalorien gespart habe und somit mein Wochenziel erreicht habe. Klar ist das ein einfaches und simples Beispiel, lässt sich aber auf alles transferieren. Manchmal – und da bin ich ehrlich – macht es keinen Sinn, Dinge zu tun, trotzdem tut man sie und das ist auch gut so! Sofern man alle Konsequenzen und Überlegungen sich vor Augen hält, kann man frei entscheiden was man tut und es dann auch wirklich und aufrichtig genießen!

Diskutiert gerne mit mir in den Comments darüber, ich freue mich auf eure Gedanken zu dem Thema.

 

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